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Der Genetiker und Star-Referent Markus Hengstschläger beleuchtete beim T-Breakfast am 23. März das Thema „Smart City“ gewohnt unterhaltsam, aber aus einer ungewohnten Perspektive. Talente fördern, statt Schwächen durch Fleiß kaschieren, so eine seiner zentralen Thesen. Werner Kraus, Senior Vice President von T-Mobile Austria, schilderte wiederum, wie Smart City in der Praxis funktioniert.

„Smarte Technologien bieten viele Möglichkeiten. Es liegt aber an uns und unserem Talent, die Digitalisierung so zu nutzen, dass wir einen Vorteil daraus ziehen“, betonte Maria Zesch, Chief Commercial Officer von T-Mobile Austria ganz zu Beginn des T-Breakfast am 23. März 2017. 150 Gäste waren in die Wiener Börsensäle gekommen, um sich über das Thema „Smart City - mit Talent die Zukunft gestalten“ zu informieren und auszutauschen.

Der Keynote-Speaker der Veranstaltung, der Genetiker Markus Hengstschläger, analysierte genauso unterhaltsam wie schlüssig, warum es in Österreich lediglich eine Ressource gibt, auf die es in Zukunft ankommt - unser eigenes Talent. Mit dieser Quelle all unseres Wohlstandes werde allerdings in diesem Land sehr sorglos umgegangen. Hengstschlägers Ausführungen lassen sich grob  in die folgenden 11 Thesen einteilen:

1) Es gibt eine vorhersehbare und eine unvorhersehbare Zukunft

Wenn Sie am Straßenrand stehen und ein Laster kommt auf Sie zu, dann ist es vorhersehbar, dass Sie einen Unfall haben werden, wenn Sie die Straße überqueren. Für Ihre Entscheidung, dies nicht zu tun, ist die Datenlage in diesem Fall ausreichend. Sie müssen aber viele Entscheidungen treffen, zu denen es kaum Daten gibt. Das machen Sie meist aus dem Bauchgefühl heraus.

2) Vorhersehbare und  unvorhersehbare Zukunft kommen immer schneller

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich die Menge des Wissens nur einmal in hundert Jahren verdoppelte. Damals wäre es möglich gewesen, einen Beruf zu lernen, und dieses Wissen hätte bis zur Pension gereicht, so Hengstschläger. Als sich das Wissen dann allerdings alle zehn Jahre zu verdoppeln begann, kam der Begriff des lebenslangen Lernens auf. Dabei blieb es allerdings nicht: „Heute verdoppelt sich das Wissen alle 24 Stunden“, mahnte der Genetiker. Und das könne kein Einzelner mehr „erlernen“.

3) Österreich ist weder ein Billiglohnland noch hat es Ölvorräte

Um mit der steigenden Geschwindigkeit fertig zu werden, gebe es mehrere Lösungen. Ein Staat mit Erdölvorkommen könne Forschungsprojekte an einer der Universitäten an der US-Ostküste finanzieren. Wenn etwas dabei herauskäme, dann wäre das gut. „Wenn nicht, dann geht das eben auf den Scheich“, so Hengstschläger. Andere Länder hätten wegen der dort herrschenden niedrigen Alphabetisierungsrate relativ niedrige Löhne. Ihr USP sei es, billig zu produzieren. „Diese Länder können sagen, wenn jemandem etwas Neues einfällt, dann werden wir es sein, die es produzieren.“ Österreich selbst sei wiederum darauf angewiesen, selbst Ideen zu haben, die zu erfolgreichen Innovationen führen.

4) Es gibt zwei Arten von Innovationen: Die gerichtete und die ungerichtete

Die gerichtete Innovation sei schnell erklärt, so Hengstschläger: „Wenn schon der dritte Kunde nach dem Gleichen fragt, das ein Unternehmen allerdings nicht hat, dann weiß diese Firma, welche Innovation ihr fehlt.“  Auch die ungerichtete Innovation definierte der Redner mit nur wenigen Worten: „Hier finden Menschen eine Antwort, ohne dafür die passende Frage dazu zu haben.“ Grundlagenforschung wäre etwa ein Beispiel dafür. „Viele fragen sich, wozu man die braucht. Wir in der Medizin sagen dann meist: ‚Ja stimmt, is' ja eh wurscht. Dann stirbt’s halt.“

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5) Die gerichtete Innovation wird weniger lukrativ

Mit Innovationen, die quasi auf der Hand liegen, lässt sich zwar noch gutes Geld verdienen. Dies werde sich aber in Zukunft ändern. Denn auch durch Industrie 4.0 wären alle Betriebe immer besser informiert. Auch über die gerichtete Innovationen. Auf die würden sich dann sehr viele konzentrieren und die Margen würden sinken. In Zukunft werde man die Gewinne besonders aus den ungerichteten Innovationen erwirtschaften.

6) Unternehmen müssen idealen Mix aus gerichteter und ungerichteter Innovation finden

Jeder Unternehmer müsse sich permanent fragen, welcher Mix aus Sicherheit und Flexibilität seine Firma auch in Zukunft am Leben erhält. Wie viele gerichtete Innovationen muss er launchen, damit er auch noch am nächsten Tag seine Rechnungen bezahlen kann. Und auf wie viele ungerichtete Innovationsprojekte muss er sich einlassen, damit ihn die Konkurrenz nicht überholt. Hengstschläger hatte auch einen Fachbegriff dafür parat: „Flexicurity“.

7) Ungerichtete Innovationen lassen sich nicht berechnen 

Bei Projekten, die sich mit ungerichteten Innovationen befassen, könne man nicht einmal vorhersagen, ob überhaupt etwas herauskommt. Hengstschläger verglich ungerichtete Innovationen mit Bällen, die durch einen Schulturnsaal geschossen werden. Niemand weiß, wo diese landen werden. 20 Kinder müssten sich nun im gesamten Turnsaal aufstellen, um vielleicht doch einen zu fangen. Die in Österreich praktizierte Lösung wäre es, alle Kinder auf einen Punkt in der Mitte des Turnsaals aufzustellen. Warum: Weil eine Analyse der bisher gelandeten Bälle zeigen würde, dass im Durchschnitt die meisten Bälle in der Mitte landen müssten. Auch wenn dort seit dem Bau des Turnsaals tatsächlich noch nie einer gelandet ist. Hengstschläger konkretisiert mit dem Beispiel eines Jägers, der einmal rechts und einmal links am Wild vorbeischoss und meint: „Im Durchschnitt habe ich das Tier auch getroffen.“

8) Gemeinsam falsch zu liegen, beruhigt

Auf die Frage, warum sich alle Kinder auf ein und demselben Punkt drängeln, um Bälle zu fangen, beantwortete Hengstschläger knapp: „Es ist in diesem Land oft leichter, sich zu zwanzigst zu irren, als alleine Recht zu haben.“ Um beim Bälle-Beispiel zu bleiben: wenn ein Elternteil sein Kind nun fragen würde, ob es einen Ball gefangen hätte und es würde verneinen, wäre zunächst einmal die Enttäuschung groß. Die Information, dass alle 19 anderen Kinder auch nichts gefangen hätten, würde aber ungemein beruhigen.

9) Ein einzelner Mutiger kann Trefferquote verdoppeln

Wenn sich allerdings eines der 20 Kinder auf einen anderen als den Mittelpunkt im Turnsaal stellen würde, wäre die Chance der Gruppe auf einen gefangenen Ball schon doppelt so hoch. Hengstschläger schloss: „Wir brauchen junge Menschen, die beim Betreten eines Turnsaals, in dem 19 andere in der Mitte stehen, den Mut haben, sich alleine woanders hinzustellen.“

10) Talent und  Kreativität der nächsten Generation nutzen

Um mehr Bälle einzufangen, pardon ungerichtete Innovationen zum Erfolg zu führen, gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten: Menschen genau dort zu positionieren, wo sie ihre individuellen Talente einsetzen können. Und: Kreativität für unbekannte und unorthodoxe Lösungsmöglichkeiten zulassen. Beides werde aber stark vernachlässigt. Jeder Österreicher müsse sich von Kindesbeinen an dagegen wehren, seine Kreativität nicht zu verlieren. Und den Talenten der Zukunft werde von ihrer Geburt an häufiger gesagt, was sie nicht können.

Hengstschläger brachte ein Beispiel aus dem Schulalltag: „Wenn der Maxi mit einem Einser und vier Vierern im Zeugnis nach Hause kommt, dann werden ihm die Eltern folgendes sagen: Dort wo du einen Einser hast, da bist du durch, da brauchst du nichts mehr zu machen. Aber dort, wo du die Vierer hast, da musst du dich bemühen.“ Das Problem dabei: „Wenn jemand genau dort fleißig ist, wo er schlecht ist, kommt nur Durchschnitt raus. Wenn er dort nix mehr tut, wo er gut war, dann kommt auch nur Durchschnitt raus.“ Ungerichtete Innovationen zum Erfolg zu führen, erfordere aber Spitzenleistungen von Österreichs einziger Ressource - ihren Talenten. Hengstschläger: „Es hat keinen Sinn, diese nächste Generation mit dem Ausbessern ihrer Schwächen Tag und Nacht zu beschäftigen, und ihnen damit jegliche Zeit zu rauben, ihre Stärken zu stärken.“

11) Talente ergänzen sich in Teams

Hengstschläger selbst beschäftigt sich bei seiner Lehrtätigkeit mit intra- und interpersoneller Intelligenz. Bei ersterer gehe es darum, dass ein Mensch selbst wissen müsse, was er kann und was er nicht kann. Interpersonelle Intelligenz beziehe sich auf Teams. „Dabei suche ich Leute, die etwas können, was ich selbst nicht kann, und bilde mit ihnen ein Team.“

T-Breakfast-Smart-City-Hengstschläger

Partnering ist wichtiger denn je

Die Zusammenarbeit in Teams oder mit Partnern griff Werner Kraus, Senior Vice President Business & Wholesale, von T-Mobile Austria für seinen Vortrag als Steilvorlage auf: „Vernetzung und Partnering war noch nie so wichtig wie heute“, betonte Kraus. Es werde immer wichtiger, Talente aus verschiedenen Unternehmen heranzuziehen, um Neues auf die Beine zu stellen. Gemeinsam mit Kunden hat T-Mobile jedenfalls schon eine Reihe von Projekten realisieren können. Dabei wolle sich T-Mobile als Partner positionieren, der dem Kunden angefangen von der Beratung, über die Entwicklung und Umsetzung bis hin zur After-Sales-Phase zur Verfügung steht. Kraus verwies dabei auf die Stadtgemeinde Purkersdorf. Dort hat man für den Winterdienst ein Flottenmanagementsystem implementiert und dabei die Effizienz nachhaltig steigern können.

Potenziale mit Smart City Anwendungen ausschöpfen

Gerade in der Smart City gebe es viele gerichtete Innovationen, so Kraus. Also mögliche Sparpotenziale, die durch Digitalisierung ausgeschöpft werden können. Die Deutsche Telekom betreibt dazu Projekte in den unterschiedlichsten Bereichen. So sei etwa das Citybikesystem der Stadt Budapest bereits smart. In mehreren Städten Kroatiens hätte man bereits Mistkübel mit Sensoren und SIM-Karten ausgestattet. So ist es möglich, die Fahrten der Müllabfuhr zu optimieren. In Hamburg werden gerade bis zu 11.000 Parkplätze „smart“ gemacht. Der Autofahrer kann freie Plätze über eine App suchen und buchen. Damit soll das innerstädtische Verkehrsaufkommen verringert werden. In Wien betreibt T-Mobile übrigens ein Pilotprojekt zum Thema Smart Parking auf Basis der neuen Narrowband-IoT Technologie.

Wenn smartes Licht erhitzte Gemüter beruhigt

Es gebe aber auch im Bereich Smart City ungerichtete Innovationen, deren Bedarf und Nutzen nicht so klar auf der Hand liegen. Kraus erzählte von einem Smart-Lighting Konzept aus Holland. Ein Straßenzug mit mehreren Bars, an dem es immer wieder zu Gewalt komme, wird dabei mit Videokameras überwacht. Das System erkennt aufgrund von Bewegungsmustern und anderen Variablen, wann eine Schlägerei droht. Die Straßenbeleuchtung wird daraufhin so verändert, dass sie beruhigend wirkt. Das System habe sich jedenfalls bereits bewährt, denn die Gewalt ging in dieser Straße merkbar zurück. Ob sich Innovationen letztendlich durchsetzen, hänge immer davon ab, ob der Kunde auch einen konkreten Nutzen daraus ziehen kann, meinte Kraus zusammenfassend.

Fazit: T-Breakfast Smart City

Eine Smart City sollte mit Ressourcen idealerweise sorgsam umgehen. Bei Österreichs wichtigster Ressource, den Talenten, sei dies indes keineswegs der Fall, konstatierte Hengstschläger. Anhand der zahlreichen Beispiele aus dem richtigen Leben konnte jeder der Zuhörer nachvollziehen, wie Recht der Vortragende des T-Breakfasts hat. Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Jeder von uns kann Talente fördern. Selbst wenn es nur das eigene ist, hat auch dies einen Wert für unsere Gesellschaft.

 

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