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27.03.2018     Patrick Schwarzinger

Das Team „Mein persönlicher Favorit“ konnte den von T-Mobile Austria und der FH St. Pölten veranstalteten Wettbewerb für sich entscheiden. Doch nicht nur für die drei Sieger war der „Smart Public Life“ Hackathon ein Erfolg: T-Mobile Austria wird dieses Format weiter einsetzen, um den Kontakt zur Entwicklerszene zu verstärken.

Beim „Smart Public Life“ Hackathon suchten T-Mobile Austria und die FH St. Pölten nach Konzepten, die das Alltagsleben der Bewohner von St. Pölten erleichtern. Gefunden haben die Veranstalter nicht nur 13 unterschiedliche Minimum Viable Products, die viele für eine Stadt dieser Größe ganz typische Probleme lösen. Insbesondere T-Mobile Austria hat aber an dem Format „Hackathon“ Gefallen gefunden. Deshalb werde man in Zukunft weitere Hackathons mit anderen Partnern und in anderen Städten des Landes veranstalten, betonte Matthias Fiegl, Vice President „IoT & Big Data“ bei T-Mobile Austria, am Ende des zweitägigen Wettbewerbs, der am 21. und 22. März an der FH St. Pölten über die Bühne gegangen war.

Kreative Anwendungen für neue Technologie NB-IoT gesucht

„Der Kontakt zur Hacker- und Entwicklerszene ist uns als T-Mobile Austria wichtig“, betonte Fiegl. Bekanntlich hat der Mobilfunkbetreiber mit der Funktechnologie Narrowband IoT (NB-IoT) erst kürzlich eine neue Infrastruktur ausgerollt, die sich besonders für Smart City Anwendungen eignet. Neue Use Cases und innovative Anwendungen dafür wolle man nicht alleine, sondern gemeinsam mit kreativen Köpfen finden, so Fiegl weiter: „NB-IoT und Big Data werden die Gesellschaft maßgeblich verändern, und ihr seid die Gestalter dieser Zukunft.“

60 Teilnehmer kreierten 13 Konzepte in 24 Stunden

Die 13 Minimum Viable Products, die 60 Teilnehmer in 24 Stunden entwickelten, zeigen, dass sie sich dieser Verantwortung durchaus bewusst sind. Der Jury, die sich aus Vertretern der Stadt, der Fachhochschule St.Pölten, T-Mobile Austria, der Deutschen Telekom und der heimischen Maker-Szene zusammensetzte, dürfte die Entscheidung über die Siegerprojekte alles andere als leicht gefallen sein. Schlussendlich entschied das Gremium wie folgt:

Platz 1: Wenn der Bus genau dann kommt, wenn man ihn braucht

Das Team „Mein persönlicher Favorit“ (Daniela Hader, Viktoria Kapuscinski, Michi Macher und David Schwartz) definierte das folgende, allgemein bekannte Phänomen als Problem, für das sie eine Lösung finden wollten: Der Bus der Öffentlichen Verkehrsbetriebe ist bisweilen überfüllt, manchmal völlig leer, bleibt an Haltestellen stehen, an denen keiner wartet und trifft zudem notorisch verspätet ein. Würden die Busse bedarfsorientiert verkehren, würden sie schneller und effizienter - eben smarter - unterwegs sein.

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Das Quartett entwickelte eine Lösung, die die Auslastung der Busse in Echtzeit trackt, diese Daten via NB-IoT an eine Zentrale überträgt und auf einem Dashboard visualisiert. Anhand eines selbst hergestellten Autobusmodells aus Karton demonstrierten die durchwegs jungen Entwickler, wie die Sensoren erheben, wie viele Passagiere ein- und aussteigen. Die Lösung erhebt zudem, wie viele Personen an welchen Haltestellen warten. Benutzer sollen sich auch per App einfach für eine Fahrt anmelden können. Aufgrund dieser Daten können die Routen variabel, je nach dem tatsächlichen Bedarf, konfiguriert werden.

Mit dem System könne man den Bürgern ein besseres Nahverkehrsangebot bieten und dies mit kleineren und folglich günstigeren Fahrzeugen als bisher bewältigen, so das Entwicklerteam. Die Lösung lässt sich recht simpel erweitern. Denn weitere Daten wie die Innentemperatur des Fahrzeuges, die Beschleunigung oder die geographische Lage bieten eine Basis für weitere Services. So könne etwa die Leitstelle auf einen Blick erkennen, wenn ein Fahrzeug einen Unfall hat und sofort oder automatisiert Einsatzkräfte zum Unfallort entsenden.

Platz 2: Innovative Bezahllösung erschließt neuen Parkraum

Dass der oder die typische St. PöltenerIn Auto fährt und folglich Parkplätze im urbanen Gebiet der niederösterreichischen Landeshauptstadt gefragt sind, definierte das Team Lightning.Parking" als Ausgangslage. Das Parken wiederum hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass das Entrichten der dabei anfallenden Gebühren mühsam ist: Handyparken ist zwar praktisch, nervt aber dennoch. Parkscheine ausfüllen - sofern überhaupt ein passender zur Hand ist - sowieso.

Christina Hauk, Sabrina Menger, Rene Kapusta, Patrick Lamplmair und Johannes Zweng haben ein System entwickelt, mit dem sich die Parkgebühren einfach über Kryptowährungen á la Bitcoin entrichten lassen. Das ist aber nur ein Feature der Lösung. Denn via Sensoren misst die Lösung, wer wann auf welchem Parkplatz ein- oder ausfährt. Der User muss sich vorher freilich mit seinem Kennzeichen registrieren. Ob er das getan hat, checkt die Lösung von „Lightning.Parking“ ebenfalls.

Für Besitzer von privaten Parkraum ist es nicht schwer, diesen mit der notwendigen Technologie auszustatten, um diesen Raum auch zu bewirtschaften. Dabei fließen ihm die Gebühren seiner Parkkunden in Form einer Kryptowährung direkt zu. Eine Clearingstelle, die bei diesem Geschäft mitverdient, gibt es nämlich nicht. Peer-to-Peer-Parking nennen die Entwickler dieses Modell. Die St. Pöltener profitieren vom System gleich mehrfach: Weil mehr privater, bisher ungenützter, Parkraum zur Verfügung gestellt wird, gibt es auch mehr Parkplätze. Weil die Parkplatzsuche einfacher wird, nimmt der innerstädtische Verkehr ab. Und weil es auf dem Parkplatzmarkt mehr Konkurrenz gibt, dürften auch die Parkgebühren sinken.

Platz 3: Smarte Straßenbeleuchtung mit dem gewissen Extra

Straßenlaternen leuchten, selbst wenn sie kein Verkehrsteilnehmer braucht. Dass dies nicht effizient ist, viel zu viel Energie verbraucht und es für dieses Problem sicherlich eine smarte Lösung gibt, befand das Team „Pinky and the brains“.

András Brozsó, Péter Gönczi und Gábor Pintér erdachten eine Straßenbeleuchtung, die nur dann Licht spendet, wenn sie auch gebraucht wird. An den Laternen angebrachte Sensoren erfassen Autos, Motorräder, Fahrräder oder Fußgänger, und geben diese Informationen an einen Server weiter. Dort entscheidet ein Algorithmus, welche Straßenlaternen beleuchtet werden. Nähert sich ein Verkehrsteilnehmer etwa einer Kreuzung und es ist noch nicht klar, welche Richtung er wählen wird, werden alle Optionen erhellt. Ist der Server einmal „out of order“ gibt es eine Security-Einstellung die für notwendiges Licht sorgt.

Niemand muss aber befürchten, dass Städte, in denen abends die Gehsteige hochgeklappt werden, in völligem Dunkel versinken. Das Licht wird bloß gedimmt und nicht völlig abgeschaltet. Das von „Pinky and the brains“ entwickelte System eignet sich zudem als Orientierungshilfe bei Notfällen oder Naturkatastrophen. Denn mittels der Straßenbeleuchtung kann man der Bevölkerung den Weg aus der Gefahrenzone weisen.

Auch die zehn weiteren Minimum Viable Products sind wie die Gewinnerprojekte Beweis dafür, dass eine heterogene Gruppe von Menschen für eine große Vielfalt an Lösungen sorgt. Um am „Smart Public Life“ Hackathon teilzunehmen, waren keine Programmierkenntnisse notwendig. Diese bewusst niedrig gewählte Einstiegsschwelle hat dafür gesorgt, dass beim Wettbewerb sich Menschen mit völlig verschiedenen beruflichen und gesellschaftlichen Hintergründen getroffen und miteinander ausgetauscht haben. Sicherlich - die Teilnehmer waren mehrheitlich jung und männlich. Doch es haben auch viele weibliche und einige Teilnehmer jenseits der 40 mitgemacht.

Beim „internationalsten“ Team waren 6 Nationen an Bord

Teilweise kamen die Teilnehmer alleine zum Event, fanden sich dann zu einem bunten Team zusammen und waren gemeinsam kreativ. Landesgrenzen wurden dabei ebenso überwunden wie Sprachbarrieren. So kamen die Mitglieder des 8-köpfigen Teams EPS aus 6 verschiedenen Ländern. Der Einsatzwille der Entwickler war überaus groß: Um ca. 23 Uhr am Abend des 21. März waren immer noch 40 Teilnehmer aktiv. Zwei Teams verzichteten überhaupt ganz auf Schlaf und arbeiteten bis zur Präsentation am Vormittag des darauffolgenden Tages durch.

Kein einziger Teilnehmer gab auf

Das Vorführen vor einem kritischen Publikum samt Jury ist - neben dem Kreieren einer lauffähigen Lösung in extrem kurzer Zeit - ebenfalls eine große Herausforderung. Besonders dann, wenn zu den sonst bei Vorträgen üblichen technischen Gebrechen von Laptops, Beamern, Verbindungssteckern oder drahtlosen Übertragungsprotokollen noch weitere Schwierigkeiten dazu kamen. Die Teams mussten schließlich etwas präsentieren, was sie in den 24 Stunden davor zusammengebastelt hatten. Natürlich wiesen die Projekte noch eine gewisse technische Unreife auf. Dazu sind starke Nerven notwendig und über diese verfügte offenbar jeder Teilnehmer des „Smart Public Life“ Hackathons. Denn kein einziger von ihnen betrachtete Scheitern und Aufgeben als Option. Alle waren bis zum Ende mit dabei.

Fazit: Smart Public Life Hackathon 2018

Ein guter Anfang für die Stadt St. Pölten also, um das eine oder andere Projekt tatsächlich zu einem neuen Angebot für ihre Bürger heranreifen zu lassen. Denn eines ist klar: Kein einziges der 13 Konzepte hat es verdient, in einer Schublade zu verschwinden.

Copyright Foto: Tobias Sautner

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