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Die Angst vor Cyber-Terrorismus könnte dem weiteren Wachstum von Machine-to-Machine (M2M) und dem Internet der Dinge (IoT) im Wege stehen: Denn wenn vernetzte Fabriken und Flugzeuge gehackt werden und dadurch großer Schaden entsteht, könnte sich die Gesellschaft von diesen beiden Technologiekonzepten wieder abwenden.

Vor diesem Problem warnte Tim Jones, Gründer und Programm-Direktor der Futureagenda in seiner Keynote ganz am Schluss des M2M Forum CEE, das am 9. Juni 2015 in Wien über die Bühne ging. Das M2M Forum CEE mit 250 Teilnehmern aus über 40 Ländern zählt zu den bedeutendsten High Tech Zukunfts-Veranstaltungen in Europa. In diesem Beitrag haben wir für Sie die wichtigsten Highlights des Nachmittags zusammengefasst. Die Highlights des Vormittages finden Sie in diesem Beitrag.

Tausende Interviews und viele Workshops

Die Futureagenda ist eigenen Angaben zufolge das größte offene Prognose-Programm der Welt. Es zeigt jene Themen auf, die die Gesellschaft in den nächsten zehn Jahren beschäftigen wird.

Diese Liste der Herausforderungen fußt auf Interviews mit 2.500 Organisationen und 50 Workshops, die Futureagenda in 50 verschiedenen Ländern durchgeführt hat. Die Themen betreffen freilich nicht nur das Internet der Dinge (IoT). Vielfach kann aber IoT Teil, oder sogar der Schlüssel zum Meistern dieser Herausforderungen sein.

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Neben dem bereits erwähnten Thema Cyber-Terrorismus zählte Jones eine Reihe weiterer Punkte auf. Wir haben für Sie diejenigen herausgesucht, die aus IoT-Sicht eine besondere Betrachtung wert sind:

  • Die Gesellschaft wird sich auf Anonymität rückbesinnen. Die Menschen wollen in der digitalen Welt nicht mehr alles über sich preisgeben.
  • Das Sammeln von möglichst vielen Daten, so wie es heute von Facebook und Co betrieben wird, wird ein Ende finden. Die Frage, was man mit diesen Daten alles anfangen kann und will, wird wichtiger.
  • Marktplätze für Daten werden in Zukunft so selbstverständlich sein wie Aktienbörsen.
  • Die Technologie wird Jobs auch in Zukunft ersetzen. Allerdings wird es vermehrt hochqualifizierte Berufe, wie etwa Anwälte oder Steuerberater betreffen. Denn durch die Einsparung teurer, weil hochqualifizierter Jobs ist auch der Einsparungseffekt höher.
  • Die hochqualifizierten globalen Arbeitsnomaden werden in Zukunft in exotischen, heute noch unwirtlichen Städten zu finden sein. Jones nannte Lagos in Nigeria als Beispiel.
  • Privacy wird vermehrt für Diskussionen sorgen. Was Privatsphäre genau ist, ist von Land zu Land nämlich sehr unterschiedlich, so Jones. In Singapur würde die Regierung die Gesundheitsdaten jedes Kindes kennen, und kein Bürger hat damit ein Problem. Weil man dort der Regierung vertraut .
  • Die Menschen werden ihre persönlichen Daten stärker kontrollieren und aktiv steuern, wer was zu Gesicht bekommt.
  • Die Kluft zwischen Arm und Reich, die auch in den Industriestaaten immer größer wird, wird laut Interviewpartner und Workshopteilnehmer der Agenda eine der größten Herausforderungen. Allerdings ist diese Kluft nicht allein durch Umverteilung, sondern insbesondere durch den Einsatz von Technologie lösbar. Gerade im Gesundheitsbereich und in der Bildung soll die moderne Technologie und damit auch das Internet der Dinge, erhebliche Verbesserungen beitragen.
  • Der effizientere Einsatz von Energie und die Reduktion von weggeworfenen Nahrungsmitteln gehören laut Futureagenda auch zu jenen Herausforderungen, die uns in der nächsten Dekade beschäftigen werden. Jones betonte, dass in manchen Ländern 30 bis 50 Prozent der Lebensmittel im Müll landen. Angesichts der vielen Anwendungsmöglichkeiten von M2M und IoT im Logistik-Bereich und in der Energiewirtschaft sollten diese beiden Technologiekonzepte dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Eine ähnliche, wenn auch etwas kleinere Erhebung der Herausforderungen für die kommenden zehn Jahre hat es bereits vor fünf Jahren gegeben. Mit den Ergebnissen der Future Agenda 1.0 aus dem Jahr 2010 sei man gar nicht so falsch gelegen, so Jones. Dies könne man nach fünf Jahren bereits sagen. Es ist also wahrscheinlich, dass die prognostizierten Problemfelder die Gesellschaft bis 2025 auch tatsächlich in der nächsten Dekade beschäftigen werden.

Wie kreiert man einen Kassenschlager?

Neben dem aufschlussreichen Schlussvortrag von Tim Jones hatte das M2M Forum CEE noch weitere Highlights zu bieten: Michael Schmidt, einer der Gründer und CEOs der Hyve AG München, gewährte Einblick in das Thema Co-Creation. Schmidt: „Bei der Entwicklung von neuen Produkten weiß man im vornherein nie, ob es sich nur um eine Spielerei, ein Gimmick oder um ein echtes Benchmark wie etwa Apples iPhone handelt.“

Co-Creation helfe dabei, um in der Benchmark-Liga mitzuspielen . Schmidt: „Co-Creation heißt, andere in die Entwicklung wirklich mit einzubeziehen. Am besten die, die das Produkt dann später kaufen sollen.“ Der Experte schilderte daraufhin die Genese des Paket-Butlers, der demnächst auf den Markt kommt.

Dieses Produkt soll ein großes Problem des Online-Shopping-Zeitalters lösen. Vielfach ist der Empfänger eines Paketes dann nicht zuhause, wenn der Zusteller die digital georderte Ware bringt. Mithilfe des Paket-Butlers lassen sich Sendungen auch ohne Anwesenheit des Empfängers zustellen, und sogar Retouren managen. Dank einer App und einer im Profi-Butler eingebauten SIM-Karte wissen Empfänger als auch Zusteller, wann eine Sendung kommt oder eine Retoure wieder abgeholt werden muss.

Auf der Suche nach der richtigen Idee

Schmidt schilderte, wie weit der Weg von der Idee für dieses Produktes bis hin zum Launch tatsächlich war. Ganz am Anfang stand der Auftrag eines Telekommunikationunternehmens, einen Weg zu finden, mehr SIM-Karten zu verkaufen. Das Konzept des Paket-Butlers war eines von 626 Ideen, die Hyve im Rahmen eines Wettbewerbes von der Community eingesammelt hat.

Aus dieser Fülle von Ideen habe man dann jene heraus gesiebt, die zum Auftraggeber und seinem Portfolio gepasst hätten. Um diese Innovation dann tatsächlich auf den Markt zu bringen, wären neben einem Partner für die Massenproduktion auch mehrere Unternehmen mit einer gewissen Marktmacht hilfreich. Im konkreten Fall wäre dies gelungen, weil die Feldsechs Servicegesellschaft die Deutsche Telekom und DHL dazu gebracht hätte, „gemeinsam zu tanzen“, wie es Schmidt ausdrückte.

Im Vorjahr absolvierte der Paket-Butler erfolgreich einen Testbetrieb in Berlin. Nun kommt er auf den Markt, und so ganz nebenbei sei aus diesem Co-Creation-Prozess noch eine eigene B2B-Lösung, der „ProfiButler“ entstanden.

User Experience versus Business Case

Um die Marktfähigkeit von Innovationen ging es auch in der Panel-Diskussion „Smart Everything“ - teilweise sogar kontrovers. Nils Müller, Gründer und CEO der Zukunftsagentur trendONE und Dr. Irena Fialka, CEO des österreichischen Inkubators IniTS gerieten sich in die Haare. Letzterer betonte, dass bereits bei der Entwicklung eines Produkts der Business-Case mitgedacht werden müsse. Sonst wäre das wirtschaftliche Scheitern quasi vorprogrammiert. Dieser Meinung konnte Müller indes so gar nichts abgewinnen: „Zu früh nach dem Business-Model zu fragen, kann eine Innovation killen.“

Der Messenger-Dienst Whats-App sei ein praktischer Beweise für seine These, so Müller. Wenn sich die Macher bereits bei der Entwicklung Gedanken über Kosten und das Geldverdienen gemacht hätten, wäre noch vor der Realisierung Schluss gewesen. „Das wichtigste ist die User-Experience“, so Müller. Fialka meinte daraufhin, dass die User-Experience ja ein wesentlicher Teil jedes Business-Cases wäre, und die Wogen glätteten sich wieder.

Kunden den Nutzen des Internets der Dinge erklären

Der Moderator Jeremy Cowan (Editorial Director & Publisher of the M2M Now magazine) wollte wissen, ob die Telekommunikationsunternehmen, und auch andere Anbieter von IoT-Lösungen zu wenig für die Marktfähigkeit der Innovationen machen würden.

Marc Sauter, Head of M2M Cental Europe Vodafone: „Die Industrie unternimmt schon sehr viel um Neues auch marktfähig und wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Ein jährliches Wachstum des Geschäfts um 30 bis 50 Prozent ist ja nicht unbedingt schlecht.“ Es sei aber gerade beim Internet der Dinge essentiell, den Kunden mit einzubeziehen und ihm zu zeigen, welchen konkreten Nutzen ihm das Technologiekonzept bringt.

Sauter war es auch, der noch auf einen weiteren interessanten Punkt hinwies. Die Basis für das Internet der Dinge dürfe man nicht nur im Mobilfunk sehen. Denn diese Netze alleine würden IoT nicht stemmen können. „Die Daten können auch über viele andere Verbindungen wie Bluetooth, WiFi, NFC und sogar über das Kabel ausgetauscht werden. Wichtig ist, dass die Daten sicher übertragen werden.“

Sauter wies auch auf die Bedeutung von Standards und Normen hin. Diese würden beim Internet der Dinge noch weitgehend fehlen. Die derzeit starke Fragmentierung des Marktes wäre die direkte Folge davon.

Der Weg zu neuen Normen

Dass die Industrie und einige Organisationen an solchen Standards bereits arbeiten, war in dem Vortrag von Dr. Karl Grün, Director Standards Development von Austrian Standards zu erfahren. Die dafür konzipierte ISO 30141 wäre allerdings noch in der Entwicklungsphase. Ein bekanntes Problem, wie Grün über Standardisierungen weiß: „Die Technologie entwickelt sich schnell und mit der Standardisierung hinkt man immer hinterher.“ Ein systemimmanentes Thema sozusagen.

Maschinen brauchen Ethik und Sprache

Doch zurück zum Panel „Smart Everything.“ Dort kam die Runde auch auf Artifical Intelligence (AI) zu sprechen – schließlich befand sich mit Robert Trappl, Professor & Head of Austrian Research Institute for Artificial Intelligence, ein echter Pionier für diesen Bereich am Podium.

Trappl: „Wenn Roboter mit Menschen kooperieren, dann müssen sie eine gewisse Ethik haben.“ Diese Notwendigkeit zeige sich beim selbstfahrenden Auto. Ein Autofahrer muss etwa in Gefahrensituationen Entscheidungen treffen, für die die Straßenverkehrsordnung als Basis einfach zu wenig ist.

Ein sich kürzlich in Kärnten zugetragener Verkehrsunfall zeigt dieses Dilemma: Dort ist ein Fahrer eines Schulbusses einem Hirsch ausgewichen und hat so einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem drei Kinder schwer verletzt wurden. Der Busfahrer habe instiktiv nach dem ethischen Prinzip gehandelt, kein Lebewesen zu verletzen oder zu töten.

Im Nachhinein betrachtet sei diese Entscheidung falsch gewesen. Wie hätte hier ein selbstfahrendes Auto reagiert, fragte Trappl in die Runde. Freilich könne man diese Roboter so programmieren, dass sie Schaden an Menschen vermeiden. „Was ist aber, wenn die Menschen sich im Roboter selbst befinden, so wie dies beim selbstfahrenden Auto der Fall ist?“

Keine Roboter-Sprache

Es sei Trappls Ansicht zufolge auch wichtig, dass in Zukunft Maschinen bzw. Roboter in menschlicher Sprache miteinander interagieren würden. Denn wenn sich diese allein durch das Austauschen von Bits untereinander verständigen würden, fühle sich der Mensch ausgeschlossen. Einfach, weil er die Maschinen nicht versteht.

Eine Wortspende zum Thema AI und Ethik kam auch von Müller. „Die Entscheidung, ob eine Bank jemandem einen Kredit gewährt oder nicht, werde in Zukunft immer stärker von Algorithmen getroffen werden.“ Es bleibt die große Frage, wie diese Algorithmen nun aussehen könnten.

Smile: Mit einer smarten App schneller ans Ziel

Aus den parallel stattgefundenen Panels des Nachmittages zu den Themen Industrie 4.0, Connected Future, Transport & Logistics und Future Banking, stach die Präsentation des Wiener Smart City-Projektes Smile hervor.

Der Projektleiter, Reinhard Birke, umriss die Grundzüge und die Ergebnisse des auf drei Jahre anberaumten und sieben Millionen Euro schweren Forschungsprojektes zum Thema integrierte Mobilität. „Am Anfang standen zwei Ziele: Alternativen zur bei Stoßzeiten überfüllten U-Bahn aufzuzeigen, und die Verkehrsteilnehmer dazu anregen, den Privat-PKW zuhause zu lassen.“

Eine aus 1.000 Personen bestehende Testgruppe konnte eine eigens für das Smart-City-Projekt entwickelte Smile-App testen. Mit dieser App konnte der User seine Reise ohne eigenes Auto und überfüllten Verkehrsmitteln genau planen und auch kurzfristig umdisponieren. Sie konnten sogar die Fahrkarten, PKW-Mieten, Parkgebühren, Mieten für Leihrad, Tankrechnungen an der Stromtankstelle usw. ganz einfach über eine monatliche Kontoabbuchung bezahlen.

Eine der wichtigsten Ergebnisse dieses Projektes waren: 26 Prozent gaben an, dass sie durch die App ihr Mobilitätsverhalten geändert haben und den Privat- PKW weniger oft verwenden würden. Durch die Nutzung der App haben die Testpersonen den städtischen öffentlichen Verkehr und Car-Sharing-Angebote stärker genutzt.

Der Test wurde übrigens bundesweit gemeinsam mit 23 Mobilitätspartnern durchgeführt. Wann eine solche Mobilitäts-App tatsächlich auf den Markt kommt, konnte Birke leider nicht sagen. Das Projekt hat jedenfalls gezeigt, welches Potenzial M2M für die Mobilität bereithält.

Fazit M2M Forum CEE

Der Tag rund um das Internet der Dinge hat der für viele noch abstrakten Technologie viele verschiedene Gesichter gegeben. Die zahlreichen Vorträge und Anwendungsbeispiele, sowie konkrete Ausstellungstücke wie etwa das vernetzte Fahrrad (ein Gemeinschaftsprodukt von Canyon und der Deutschen Telekom) haben das Internet der Dinge greifbar gemacht. Die Besucher dieses Events im Tech Gate Vienna werden nun ein bisschen besser wissen, wie sie das IoT für sich und ihr Business Nutzen-bringend einsetzen können.

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