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Wie IoT dank Sensoren in und an uns zum „Internet of us“ wird

Autor Marcel Henrich am 20.4.2017

In M2M, Digitale Transformation

internet of us

Sensoren und Computer werden immer kleiner. Warum tragen wir sie also nicht an Kleidern oder implantieren sie gleich unter der Haut? Patrick Kramer, Gründer von Digiwell - Humans Upgraded! entführte beim M2M/IoT Forum seine Zuhörer in die Welt der Cyborgs, des Biohackings und des „Internet of us“. Die Sticklett-Gründer präsentierten eine Anwendung, die besseren Schutz vor plötzlichem Kindstod verspricht.

„Menschen haben immer schon Werkzeuge benutzt, um ihre Sinne zu schärfen“, begann Dr. Patrick Kramer, Gründer des Unternehmens Digiwell - Humans Upgraded! aus Hamburg seinen Vortrag beim diesjährigen M2M/IoT Forum CE, das am 28. und 29. März in Wien über die Bühne ging.

Neue Sinne dank Internet of us

Der Experte erklärte Begriffe wie Cyborgs, Biohacking und das „Internet of us“. Eine Welt, in der Menschen dank implantierter Elektronik nicht nur ihre eigenen Sinne schärfen, sondern auch völlig neue nutzen können. Freilich - das alles klingt zunächst einmal recht futuristisch und weit weg. Doch es ist alles andere als das. „Wie viele Cyborgs haben Sie denn heute schon gesehen“, wollte Kramer von seinem Publikum wissen. Um es dann gleich davon zu überzeugen, dass wohl vielen unter den Zuhörern bereits eines oder mehrere Exemplare an diesem Vormittag über den Weg gelaufen sind.

Erster offizieller Cyborg hört Farben

Denn die Cyborgs unseres Alltags würden nicht wie Robocop, Inspector Gadget oder Darth Vader aussehen. Viele Mitmenschen gerade älteren Semesters wären laut Kramers Definition nämlich auch Cyborgs. Er verwies dabei auf Geräte wie Herzschrittmacher, Brillengläser oder Rollatoren. Diese Technologien würden teilweise sogar vom Inneren eines Menschen heraus seine Fähigkeiten und Sinne verbessern.

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Menschen durch Technik zu helfen, an ein als gemeinhin normal angesehenes Niveau an Fähigkeiten zu gelangen, wäre normal. „Aber warum setzen wir Technologie nicht dazu ein, um mehr als unsere normalen Fähigkeiten und Sinne zu erlangen“, gab Kramer zu bedenken. Einige Menschen würden das bereits praktizieren. So wie etwa Neil Harbissen. Der britische Künstler mit Wohnsitz in New York ist der erste offiziell von einer Regierung anerkannte Cyborg. Harbissen leidet an Achromatopsie und kann nur Schwarz-, Weiß- und Grautöne sehen. Mithilfe einer in seinem Kopf implantierten Antenne kann er aber nun Farben wahrnehmen. Und zwar indem er sie „hört“. Eine Fähigkeit übrigens, die Menschen offenbar nur nach exzessiven LSD-Konsum vorbehalten war.

Innere Orientierung und rhythmische Lust

Kramer schilderte dann noch weitere Beispiele von Implantaten, die uns Menschen mit neuen Sinnen ausstatten. Wie etwa ein Piercing-Compass. Dieses Gerät wird am besten im Brustbereich angebracht und vibriert leicht, wenn sich der Träger nach Norden wendet. Der Nutzer erhält durch das über 400 Dollar teure Gerät einen neuen Orientierungssinn. Die Entwicklerfirma namens Cyborg Nest arbeitet übrigens mit Harbisson eng zusammen.

Der Lovetron 9000 wiederum verspricht neue Erlebnisse im partnerschaftlichen Sexualleben. Ein im Beckenbereich des Mannes implantiertes Gerät versetzt sein Geschlechtsteil in Vibrationen. Das soll für erhöhte Lust sorgen. Nettes Feature dabei: Der Lovetron 9000 lässt sich mit der Lieblingsmusik des Trägers synchronisieren und pulsiert dann im bevorzugten Beat.

50.000 Cyborgs leben in Europa

So wie dieses sprachen auch all die bis zu diesem Zeitpunkt von Kramer zur Sprache gebrachten Cyborg-Equipment wohl nicht die Bedürfnisse von Otto-Normalverbraucher an. Implantierte Microchips tun dies indes schon. Kramer schätzt, dass in Europa bereits 50.000 Menschen  solche Implantate tragen und nutzen. Als Schlüssel, Geldbörse, Bonuskarte, Pin-Code, Fahrschein oder auch Smartphone-Security.

„Mit RFID-NFC-Chips kann man eigentlich alles machen was man will“, bringt Kramer die Vorteile von Elektronik auf den Punkt, die unter die Haut geht.  Es reicht etwa, die Hand mit dem Implantat zu einem Motorrad zu halten und es startet ohne Zündschlüssel. Ebenso lässt sich die Türe zum Fitnessstudio öffnen. Und auch das Einchecken beim Flughafen und das Bezahlen sei einfach per Hand möglich, beschreibt Kramer. Dass das Implantieren keinen Arzt, sonder selbst bloß ein wenig Überwindung braucht, zeigte Kramer gemeinsam mit einer tapferen Elsa Sotiriadis übrigens beim Pioneers Festival in Wien 2016 live (ab Minute 18 des Videos). Binnen Minuten mutierte die Dame zum Cyborg und Teil des „Internet of us“.

Implantate lösen Security-Problem

Weil man den implantierten Chip mit allem Möglichen verbinden kann, lösen laut Kramer solche Implantate auch ein ernstes Problem des Internets der Dinge. Nämlich die Security. Mit VivoKey wird das Unternehmen von Kramer, Digiwell, nämlich binnen weniger Monate eine implementierbare Java-Card NFC-Plattform auf den Markt bringen. Dieser kleine Computer ist auch imstande, Apps zu speichern. Nutzer können so kryptographische Schlüssel ständig am Körper tragen. Heute ist es üblich, diese in digitalen Containern auf dem Smartphone oder am PC zu speichern. So ist jeder digitale Schlüsselbund aber grundsätzlich hackbar. „Mit dem VivoKey verschmilzt unsere biologische mit der digitalen Identität und wir können beides kontrollieren“, betonte Kramer. Ein unhackbarer Schlüsselbund also, der nur sperrt, wenn der Eigentümer tatsächlich mit dabei ist. Eben weil er ihn in sich trägt.

Dass sich die Zahl der allein in Europa lebenden „Cyborgs“ von derzeit 50.000 stark erhöhen wird, davon ist Kramer jedenfalls überzeugt. „Knapp 70 Prozent der 15- bis 18-Jährigen steht Implantaten recht offen gegenüber“, zitierte der Experte eine Studie von Vanson Bourne Amdoc vom Oktober 2016.

Kleidung schützt vor plötzlichem Kindstod

Bereits vor dem Vortrag von Kramer schilderten Michaela Schicho und Thomas Kozlowski, wie sich ihre Lösung mehrerer Sensoren an und nicht in Körpern bedient, um selbige zu schützen. Die beiden haben mit Sticklett ein System entwickelt, das Kleinkinder insbesondere vor dem gefürchteten plötzlichen Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) schützen soll.

Sticklett besteht aus T-Shirts und Applikationen, die Eltern oder auch die Kinder selbst darauf anbringen können. "In der Marienkäfer-Applikation sind Sensoren versteckt, die Temperatur, Atmung und Herzfrequenz messen“, erläutert Schicho. Weichen diese von den normalen Werten ab, bekommen die Eltern einen Alarm auf ihr Smartphone gesendet. „Damit können Sie im Ernstfall schneller reagieren“, erläutert Schicho. Gerade beim SIDS kann jede Minute entscheidend sein. Beide Gründer haben übrigens die Lösung entwickelt, weil SIDS für sie selbst - so wie für alle jungen Eltern - Thema war. Schicho ist zweifache Mutter. Kozlowski erlebte während der Schwangerschaft seiner Schwester selbst mit, wie beherrschend dieses Thema für junge Eltern ist.

Fazit: Wie IoT dank Sensoren in und an uns zum „Internet of us“ wird

Die Verbindung von Computer zum Menschen wird immer enger. Statt Daten mühsam per Tastatur einzugeben, können wir Rechner schon per Sprache und bloßen Gesten steuern. Sensoren füttern IT-Systeme überhaupt schon ganz automatisch mit Informationen. Und dank der Vernetzung gelangen die Daten nahezu in Echtzeit überall dort hin, wo sie gerade gebraucht werden. Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen digitaler und realer Welt. Wir nutzen die IT zusehends unbewusst, weil sie uns immer mehr umgibt. Etwa in Form von am Körper getragenen Wearabeles wie Sticklett. Oder gleich in unserem Körper verbaut. Wie Microchips, die uns nicht nur mit praktischen neuen Fähigkeiten, sondern gar mit neuen Sinnen ausstatten können.

 

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