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10.07.2018     Kerstin Klatt

Disruption bietet für große, etablierte Unternehmen viele Chancen auf Wachstum. Die Kooperation mit Startups hilft den Corporates, den digitalen Wandel zu meistern. Wie eine solche Zusammenarbeit konkret funktionieren kann verrieten die Vertreter von drei unterschiedlichen Branchen beim Investors Day 2018.

Disruption beschreibt einen Prozess, bei dem bestehende Geschäftsmodelle oder auch gleich ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation zerschlagen wird. Für Corporates ist dieser Prozess gefährlich. Denn er zwingt zu raschen Veränderungen. Ansonsten besteht die Gefahr, recht schnell von der wirtschaftlichen Bühne zu verschwinden, so wie das Kodak, Nokia oder auch Sun Microsystems passiert ist.

Leider sind große, etablierte Betriebe aber nicht besonders gut darin, ihr eigenes Geschäftsmodell zu überdenken, wenn nötig sogar völlig auf den Kopf zu stellen oder gar aufzugeben, um mit gänzlich neuen Produkten und Services aktiv zu werden. Immer mehr Unternehmen suchen deshalb die Zusammenarbeit mit Startups, um die Transformation gemeinsam zu stemmen. Denn Startups sind ungemein flexibel, agieren unkonventionell und betrachten Probleme, die einer lukrativen Lösung harren, aus einer völlig anderen Perspektive.

Eine Kooperation mit vielen Gesichtern

Das Engagement der Corporates bei Startups kann dabei viele Formen haben. Dies reicht vom einfachen finanziellen Engagement bis hin zur Integration in den eigenen Konzern. Wie die Zusammenarbeit mit Startups in der Praxis funktionieren kann und welche Rolle Corporates dabei spielen, schilderten beim Investors Day 2018 Vertreter von drei unterschiedlichen Branchen

Hubraum erschließt kommerzielle Möglichkeiten

Aus einem sehr reichen Erfahrungsschatz konnte dabei Florian Steger, Investment Director von Hubraum, dem Inkubator der Deutschen Telekom, zurückgreifen. "Wir machen das jetzt schon 6 Jahre lang", ließ der Manager das Publikum wissen. Zum Hintergrund: Die Rolle von Hubraum richtet sich danach, was die Kooperationspartner brauchen. Das Angebot von Hubraum, das über drei Standorte (Berlin, Krakau und Tel Aviv) verfügt, richtet sich vor allem an Jungunternehmer im Frühstadium. Es reicht von Investitionen bis hin zum Mentoring. Hubraum betreibt auch Business-Development-Programme wie Hackathons oder Prototyping-Formate. Ziel des Inkubators ist es, zwischen Startup-Ökosystemen und den Geschäftsbereichen der Deutschen Telekom kommerzielle Möglichkeiten zu generieren.

In seinem Vortrag versuchte Steger, der Disruption den Schrecken zu nehmen. "Wenn man zufriedene Kunden hat, dann ist es schwierig, disruptiert zu werden", betonte der Manager um dann etwas später zu ergänzen: "Manchmal ist es besser, nicht nur an Disruption zu denken, sondern einfach, das eigene Business zu verbessern."

3 Startups, die das Business der Deutschen Telekom bereichern

Um zu veranschaulichen, was Hubraum für die Deutsche Telekom leistet, griff Steger drei der insgesamt mehr als 500 Startups heraus, mit denen der Inkubator zusammenarbeitet:

  • Die Gründer von Reparando wollten eines der nervigsten Probleme unserer Zeit schnell und einfach lösen: Kaputte Smartphones. Freilich, Handyreparaturanbieter gibt es viele, doch Reparando unterscheidet sich von diesen. So kommt der Techniker auf Wunsch direkt zum Kunden, um das defekte Geräte vor dessen Augen wieder flott zu machen. "Dieses Service ist etwa für Unternehmen aus der Finanzbranche interessant, deren Mitarbeiter ihr Smartphone aus Sicherheitsgründen nicht aus den Händen geben dürfen", so Steger. Reparando verspricht zudem, das Handy innerhalb von 24 Stunden zu reparieren. Dabei holt ein Mitarbeiter das Gerät auch beispielsweise in einem Kaffeehaus vom Kunden ab und bringt es auch zum gewünschten Zeitpunkt an einen vereinbarten Ort wieder zurück. Das Service steht im Übrigen auch in einigen T-Shops zur Verfügung. Ziel dieses Engagements von Hubraum ist es, so Steger, aus dem Angebot ein tragfähiges Geschäftsmodell zu machen, das das Serviceangebot der Deutschen Telekom ergänzt.
  • Das Berliner Startup Twyla beschäftig sich mit einer Middleware für Chat-Technologien auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI). Die Chatbot-Lösung soll das Kundenservice von Unternehmen verbessern und kann in gängige Enterprise-Systeme integriert werden. Die Lösung von Twyla bietet mittlerweile die Deutsche Telekom bzw. T-Systems ihren eigenen Business-Kunden an. Langfristig wolle man durch dieses Engagement aber auch lernen, wie man die eigene Kundeninteraktion verbessern könne, umschreibt Steger den zusätzlichen Nutzen für die Deutsche Telekom.
  • Texel aus Tel Aviv beschäftigt sich mit Streaming von Augmented- und Virtual Reality Inhalten. Diese benötigen allerdings eine sehr hohe Bildauflösung und die dafür notwendigen Datenmengen sind für so manche Infrastruktur kaum bewältigbar. Texel nähert sich diesem Problem durch eine Lösung, die berechnet, in welche Richtung die Zuseher am wahrscheinlichsten als nächstes blicken werden. Dieser Bereich wird dann über die Edge Computing Infrastruktur der Deutschen Telekom vorgeladen. Über das Magenta 360 Portal lässt sich so einzigartiger VR-Content zu den Kunden der Deutschen Telekom streamen. Die Lösung wird zudem den Medienkunden (etwa Sport1) der Deutschen Telekom angeboten.

Banken brauchen Infrastruktur, die sich zum 'Partnern' eignet

Wie man als regional stark verwurzelte Bank durch die Ära der Disruption navigiert, erläutert Hannes Cizek, Head of Group Digital Banking bei der Raiffeisen Bank International AG. Das Institut beschäftigt sich gerade mit einem wichtigen, aber vielfach unterschätzten Thema. Nämlich eine Infrastruktur, die es einer Bank erlaubt, mit anderen Partnern zu kooperieren und interne wie externe Lösungen in die eigenen Märkte zu skalieren. Im Falle der Raiffeisen Bank International AG sind dies insbesondere Märkte in Osteuropa.

Auch dort agiert das Institut seit dem letzten Jahr mit dem eigenen Fintec-Accelerator Elevator Lab, weil andere Institute diese Märkte nicht so stark im Fokus hätten, so Cizek. Für die erste Runde des Elevator Labs hätten sich 336 Jungunternehmen aus 56 Ländern beworben. Sechs davon wären in das Programm dann aufgenommen worden. Noch heuer geht das "Elevator Lab" in die zweite Runde. "Wir veranstalten nun auch lokale Challenges in verschiedenen Märkten", ergänzt Cizek. Die Raiffeisen-Netzwerkbanken organisieren die Elevator Lab Challenges in mittlerweile acht osteuropäischen Ländern.

Als weiteres Tool für Raiffeisen, um mit Gründern zu kooperieren, dient das Corporate Venture Capital-Unternehmen Elevator Ventures, das drei Schwerpunkte verfolgt: Es steuert die strategischen Corporate Venture Capital Investitionen von Raiffeisen & Uniqua in den europäischen Fin-Tech und dem Versicherungsmarkt und wird extern von Speedinvest gemanagtEs organisiert Investitionen von Third-Party-Venture Capital Gesellschaften in der Finanzbranche nahestehenden Bereichen und kümmert sich auch um Direktinvestitionen in strategische Partnerschaften.

Die Digitalisierung trifft auf ein 400 Jahre altes Geschäftsmodell

Der Bankensektor ist sicherlich einer, der sich derzeit durch die digitale Transformation sehr stark ändert. Einer noch massiveren Disruption ist indes die weltweite Versicherungswirtschaft unterworfen, so Andreas Nemeth, CEO von Uniqa Ventures. "Die Industrie selbst hat sich nicht verändert, unser Business-Modell ist 400 Jahre alt", so Nemeth. Die Umwelt und besonders das Verhalten der Kunden hingegen wären aber einem starken Wandel unterworfen. Das habe massive Auswirkungen auf das Business der Versicherer. "Wir wollen kein Versicherer, sondern künftig ein Lebensbegleiter für unsere 10 Millionen Kunden in ganz Europa sein", umriss Nemeth die Vision bis 2030. Dabei wolle man den Kunden dabei unterstützen, länger, sicherer und besser zu leben. Um dieses Ziel zu erreichen, verfolge man eine Politik der kleinen Schritte, denn die Uniqa mit ihren 20.000 Mitarbeitern, könne man nicht von einem auf den anderen Tag ändern, so Nemeth. Mit Uniqa Ventures hingegen könne man vieles umsetzen, was  mit dem Mutterschiff nicht möglich wäre. Das Portfolio von Uniqa Ventures selbst umfasst 6 Startups, wobei beim estnischen InsurTech-Unternehmen Inzmo ein lukrativer Exit gelungen ist.

Fazit Disruption als Chance

Die Digitalisierung zwingt alle Wirtschaftsbereiche zu sehr tiefgreifenden Veränderungen. Gerade für große Konzerne ist der Wandel äußerst schwierig. Viele Herausforderungen sind auch einfach zu groß, um sie alleine stemmen zu können. Denn dafür fehlen den Corporates oft die notwendige Flexibilität und Schnelligkeit sowie die Fähigkeit, das eigene Business aus einer sehr kundenzentrierten Perspektive zu betrachten. Startups wiederum verfügen neben diesen Kompetenzen auch über eine sehr wertvolle Sicht von außen. Corporates und Startups können sich ideal ergänzen, obwohl das mitunter nicht leicht ist. Wie es gelingen kann, zeigen die Best-Practice-Beispiele aus drei verschiedenen Branchen.

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