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Ein Damentrio gewinnt mit Chatbot für Slack den ersten Bankathon Wiens

Autor Marcel Henrich am 6.6.2017

In M2M, Digitale Transformation, Lösungen

Bankathon

Innerhalb von nur 30 Stunden programmierte das Team Chill Bill mit Pilar Huidobro, Eva Lettner und Pamina Georgiou einen Chatbot für Slack, der die Spesenabrechnung für Klein- und Mittelbetriebe zum Kinderspiel macht. Damit konnte Chill Bill die Jury von Wiens erstem Bankathon überzeugen, der vom 29. bis 31. Mai im T-Center über die Bühne ging.

Lesen Sie in diesem Beitrag mehr über die erfolgreichen Projekte, die 24 internationale, überwiegend männliche Teams innerhalb kürzester Zeit beim Bankathon CEE realisiert haben. Und: wie Mitleid erregende Katzenfotos das Begleichen offener Rechnungen beschleunigen können.

Gut Ding braucht nicht immer Weile. Dies bewiesen alle Ergebnisse von Wiens erstem Bankathon. Denn was über 90 Programmierer aus 12 Nationen innerhalb von nur 30 Stunden zu Wege brachten, war schlichtweg beeindruckend: viele Anwendungen boten eine einfache und teilweise äußerst unterhaltsame Methode, um gemeinsame Rechnungen unter Freunden aufzuteilen. Einige Lösungen verhalfen den Usern zu einer besseren Übersicht über Rechnungen und beschleunigten den Bezahlvorgang. Andere Apps wiederum unterstützten den Nutzer bei Investitions- und Finanzierungsentscheidungen oder beim Handeln mit Anleihen und Aktien. Allesamt waren es aber lauffähige Programme, die alle das Zeug haben, das digitale Angebot einer Bank zu erweitern und ihr einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Sportlicher Programmierwettbewerb

Bankathon Teams.jpgDoch vor der Vorstellungen der Lösungen lohnt es, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was ein Bankathon überhaupt ist: Die Wortschöpfung hat ihren Ursprung beim Hackathon. Dieser Begriff entstand aus „Hack“ und „Marathon“ und umschreibt eine Veranstaltung, bei der innerhalb von einer vorgegebenen Zeit etwas völlig Neues entwickelt wird. Bezieht sich dieses Neue auf Lösungen für den Banken- und Finanzsektor, dann ist von einem „Bankathon“ die Rede. Der Sinn solcher sportlichen Entwicklerevents ist aber nicht nur, recht schnell zu Innovationskonzepten zu kommen. Es geht auch darum, etablierte Player einer Branche mit kreativen Köpfen zu vernetzen. Oder auch, um talentierte Mitarbeiter in neuer Teambesetzung zu Meisterleistungen zu motivieren.

Wiens Bankathon war bisher der größte

Bankathons sind in unseren Breiten relativ neu: Der Veranstalter, Figo, organisierte drei in Deutschland, bevor er mit dem Event zum ersten Mal in Wien gastierte. Die Idee, eine etablierte Banken- und Finanzbranche mit Entwicklern aus dem In- und Ausland im Rahmen eines Wettbewerbs zusammenzubringen, kam hierzulande extrem gut an. Mit der Erste Bank, der Raiffeisen Bank International, der BAWAK P.S.K. und der UniCredit konnte Figo gleich die wichtigsten Bankhäuser des Landes und auch noch viele andere wesentliche Player der Branche als Sponsoren gewinnen. Figo CEO André M. Bajorat sprach dann auch vom bisher größten Bankathon. Mitorganisiert hat diesen Event, der zum ersten Mal auf den Raum CEE fokussierte, übrigens das Wiener Startup Intrabase, das seinerseits den Bankathon 2016 in Hamburg gewonnen hat.

Programmieren im T-Center

Bankathon Maria Zesch.jpgT-Mobile stellte als Location-Sponsor das T-Center zur Verfügung. Warum, das erläuterte Maria Zesch, COO von T-Mobile Austria, beim Beginn der finalen Pitches mit einem Satz: „Nur gemeinsam mit Startups ist es möglich, das Internet der Dinge und M2M-Kommunikation in Österreich zum Laufen zu bringen.“ T-Mobile CEO Andreas Bierwirth meinte wiederum zum Engagement: "T-Mobile unterstützt seit vielen Jahren junge Unternehmen sowie die Start-up-Szene, und konnte bereits einige erfolgreiche Kooperationen schließen. Mobilfunk stellt das Backbone der Digitalisierung dar und erst dadurch wird das Internet der Dinge, also die Vernetzung von Menschen, Tieren und Dingen, möglich".

Lösungen mit Potenzial

Potenzial zu einer echten Killerapp hatten jedenfalls viele der Lösungen, die die  24 Teams mit maximal 4 Mitgliedern in der Zeit zwischen Dienstag, 30. Mai um 9 Uhr und Mittwoch, 31. Mai um 15 Uhr erdachten und entwickelten. Denn: bloße Ideen zu präsentieren reicht bei einem Bankathon nicht aus. Hier herrscht striktes Powerpoint-Verbot. Die App muss funktionieren, und zwar auf Basis von „frischem“ Code und keinen vorgefertigten Programmmodulen. Gesucht waren Produkte, die zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten für das Open Banking auch unter Berücksichtigung der von der EU im Jahr 2015 beschlossenen Payment Services Directive 2 (PSD2) sind.

Team mit drei Entwicklerinnen codete am besten

Am besten brachten dies nach Meinung der Jury das Team Chill Bill zustande, welches das gleichnamige Wiener Startup stellte. Das Team mit Pilar Huidobro, Eva Lettner und Pamina Georgiou an Board realisierte einen Chatbot, der KMUs dabei hilft, die lästige aber notwendige Spesenabrechnung entscheidend zu vereinfachen. Der Chatbot nutzt dabei Slack. „Dies deshalb, weil Slack auch in österreichischen Unternehmen schon sehr gebräuchlich ist“, wie Huidobro in ihrer 4-Minuten-Präsentation vor etwa 250 Zuhörern beim Final Pitch erläuterte.

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Und so funktioniert es: Ein Mitarbeiter scannt den Rechnungsbeleg einfach ein, etwa eine Restaurantrechnung, die bei einem Termin mit einem Kunden anfiel. Der Bot extrahiert daraus die notwendigen Daten. Der User kann nun entscheiden, ob er den Betrag gleich zurückfordert, oder zu seiner Spesenliste hinzufügt. Der Vorgesetzte bekommt eine Nachricht, kann den Beleg bzw. die Liste prüfen und die Rücküberweisung veranlassen - oder auch ablehnen.

Mehr ist auch schon nicht mehr notwendig, denn die von Chill Bill entwickelte Lösung lässt sich auch mit Bankkonten verbinden. Anstatt wochenlang auf die Rücküberweisung von Barauslagen zu warten, bekommt der Mitarbeiter binnen Minuten sein Geld auf sein Konto. Und der Vorgesetzte hat eine recht zeitnahe Kontrollmöglichkeit, und muss nicht, so wie heute üblich, Dinge aus der Vergangenheit rekonstruieren, um sie auf Plausibilität zu prüfen. Huidobro, Lettner und Georgiou konnten sich übrigens über 5.000 Euro Preisgeld sowie Tickets und einen Auftritt beim Pioneers Festival freuen. Die Startupshow, die zu einer der größten ihrer Art in Europa gehört, begann gleich Tags darauf in der Wiener Hofburg.

Charmante Zahlungserinnerung an Freunde

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Platz zwei ging an eine der doch recht vielen Lösungen, die das Aufteilen von gemeinsamen Rechnungen unter Freunden oder das Eintreiben von verborgtem Geld erleichtert. Das Entwicklerkollektiv, das sich selbst den Namen „Team B“ gegeben hatte, fand mit ihrer App „Sugar Daddy“ allerdings den charmantesten Weg dafür. Unter dem Motto „Making retail banking less boring“, programmierte Team B eine simpelst zu nutzende App. Mit der kann der User charmante Zahlungsaufforderungen, bei Bedarf auch mit passenden Katzenfotos ergänzen, um deren Wirkungsgrad zu erhöhen.

Diese Nachricht lässt sich auch über Social Media wie Facebook oder Twitter teilen. Solcherart wird der soziale Druck auf den Schuldner freundlich, aber doch, erhöht. Der Empfänger des digitalen Erinnerungsschreibens kann seine Schuld dann mit ein paar Klicks begleichen - oder auch ablehnen. „Team B“ war übrigens eines von drei Teams, das die Raiffeisenbank International selbst ins Rennen schickte. Wohl um die Innovationskraft der eigenen Unternehmensgruppe zu erhöhen. Das Gewinnerteam konnte sich jedenfalls über 3.000 Euro und ein Ticket sowie einen Pitch beim Pioneers Festival freuen.

Smarter Wertpapierhändler

Dem Team Fait brachte „Paul“ 1.000 Euro und ein Ticket beim Startup-Festival ein. Paul ist ein Investmentberater, der allerdings nur virtuell existiert. Er durchforstet existierende Aktien- und Anleiheportfolios und erkennt, wenn diese problematische Beteiligungen enthalten. Unter „problematisch“ sind mehrere Tatsachen zu verstehen. Wenn etwa die Gebühren zu hoch oder die Performance zu schlecht sind. Oder auch, wenn Anteile plötzlich in den „Junk“-Status absinken oder  ein Unternehmen mit Waffen handelt. Paul kennt auch gleich Alternativen zu den „problematischen“ Beteiligungen. Theoretisch wäre es auch leicht möglich, Paul den Switch der Anteile durchführen zu lassen. Dazu fehlen allerdings noch die notwendigen APIs.

Fazit: Bankathon Wien

Den Banken kann man nicht gerade nachsagen, die Digitalisierung verschlafen zu haben. Denn ihr Online-Angebot ist durchaus gut ausgebaut und wird auch fleißig genutzt. Wie viel Luft es noch nach oben gibt, zeigen aber Startups und alternative Anbieter immer wieder auf. Sie finden teils revolutionäre Wege, Zahlungsverkehr und Finanzdienstleistungen zu vereinfachen und zu verbessern.

Inhouse auf solch innovative Lösungen zu kommen, ist für große Corporates, gleich welcher Branche, immer schwer. Durch Events wie den Bankathon CEE kommen Ideen zustande, die nur jemand hat, der völlig zwanglos kreieren, konzipieren und auch realisieren kann. Von solchen Ideen können sich die Banken dann inspirieren lassen oder auch mit kreativen Köpfen neue Partnerschaften eingehen.

 

m2m cta

Bilder vom Bankathon: © figo GmbH